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Christian Boltanski: Missing house

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Christian Boltanski: Missing house, Beschreibung

Im Rahmen des West-Ost-Ausstellungsprojektes 'Endlichkeit der Freiheit' entstand in der Großen Hamburger Strasse 15/16 die Installation 'The Missing House'. Der französische Künstler, Christian Boltanski, installierte an zwei Brandwänden Emalietafeln mit Namen, Beruf und Wohndaten ehemaliger nichtjüdischer bzw. jüdischer Bewohner des kriegszerstörten Hinterhauses an, das sich zwischen den Brandwänden befunden hatte (Endlich/Lutz 1995, S. 111-112).


Missing house
Das 'missing house' in der Großen Hamburger Straße mit den Gedenktafeln für die vertriebenen und deportierten Bewohner




Entwicklung und Hintergrund von 'Missing house'

In den 80er Jahren haben sowohl deutsche, als auch internationale Künstler ein Konzept entwickelt, das einen alternativen Zugang zum Nachdenken über Geschichte im öffentlichen Raum ermöglichen sollte. Die Idee bestand darin, auf einen klassischen, erhabenen Denkmaltyp zu verzichten und stattdessen ebenso unauffällige wie überraschende 'Erinnerungs-Haken' im öffentlichen Raum zu installieren. Die Suche nach alternativen Erinnerungsprojekten war grundsätzlicher Art, doch wurde sie in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit einer Reihe von jüngeren Mahnmalen gegen den Faschismus manifest. Der französische, am 06. 09. 1944 in Paris geborenen Künstler, Christian Boltanski, hat sein Projekt 'The Missing House' während dieser Aktion Anfang der 90er Jahre realisiert. Boltanskis Arbeit, die auch der 'mahnende stille Portier' genannt wird, konzentriert sich auf die Baulücke eines kriegszerstörten Hauses in der Großen Hamburger Strasse (Berlin Mitte), deren Umgebung bis in die 30er Jahre einen hohen Anteil an jüdischer bzw. nichtjüdischer Bevölkerung aufwies. Am Vormittag des 3. Februar 1945 wurde das Haus durch Bomben zerstört. Der Künstler recherchierte in Archiven die ehemalige Bewohnerstruktur des zerstörten Hauses und stellte dabei fest, dass die jüdischen bzw. nichtjüdischen Bewohner durch die Nationalsozialisten vertrieben oder deportiert worden waren. Zwölf einzelne, versetzt an der linken Giebelwand des Nebenhauses angebrachte Emalietafeln mit Namen, Berufen und Wohndaten wurden zur Erinnerung an die ehemaligen Bewohner angebracht. Die Leerstelle des zerstörten Hauses wird somit mit den Hinweisen auf seine früheren Bewohner verknüpft, die dadurch aus ihrer Anonymität geholt werden. Die Verbindung zwischen der Installation und den Recherchen Boltanski, gibt dem Besucher zusätzliche Informationen zu den vertriebenen oder deportierten Personen. Das Ziel Boltanskis bestand darin, einen 'Gedächtnisraum' zwischen den 'authentischen' Ort einerseits und den recherchierten Einzelbiographien anderseits zu eröffnen. Anhand der historischen Spuren, die in der Alltagswelt verankert werden, soll der Betrachter zum Denken angeregt werden, aber auch auf die Notwendigkeit einer alltäglichen, kritischen Verantwortung des Einzelnen verweisen.


Missing house 2
Erinnerung auf nachdenkliche, aber eindringliche Weise




Literaturverzeichnis

Endlich, Stefanie/ Lutz, Thomas: Gedenken und Lernen an historischen Orten. Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Berlin 1995, S. 111-112

http://www.goethe.de/kug/ges/ztg/thm/de204581.htm abgerufen und ausgedruckt am 25. 01. 2005 18:19