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Bruno Nagel/Ulrich Süße: Neonblaues Sprachspiel

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Bruno Nagel (Textgestaltung)/Ulrich Süße ("Klangfassade"): Neonblaues Sprachspiel, Beschreibung

Installation mit bewegter, neonblauer Leuchtschrift mit 98 Buchstaben, die nacheinander erscheinen und sich zu einer lückenlosen Kette aus Begriffen und Wortgruppen aufbauen. Zusätzlich erklingt eine Mischung aus Musik, Stimmen und (Alltags-)Geräuschen aus vier Lautsprechern an der Außenseite im Eingangsbereich des Museums.
Das Thema des Textes ist - passend zum Museum - Kommunikation.


Neonblaues Sprachspiel
Der Versuch, Kommunikation künstlerisch aufzuarbeiten




Erklärungen zur Installation

Zu finden ist die Installation an der historischen Fassade des Museums für Kommunikation in Berlin.
Die bewegte, blaue Leuchtschrift über dem Museumsportal sorgt für Aufmerksamkeit. Sie durchbricht nicht nur die starre, wilhelminische Architektur, sondern unterstreicht auch die zukunftsorientierte Botschaft. Die blaue Neonleuchtschrift und die Anzahl der Buchstaben waren vom Museum vorgegeben (und technisch bedingt), wie auch die Vorgabe, dass der Text bewegt sein soll (daher Laufschrift)
Wortwahl und Bedeutungswechsel sowie Zeichenfolge der Installation sind eine Arbeit von Bruno Nagel.

Der Schriftzug zeigt folgende Zeile: CYBERLINTERNETZHAUTVWELTELETERMINAKOMMEDIALOKAL
NONSTOPOSTWESTAFELDIGITALANDATENDENZNACHRICHTERCODE

Ein Bild von der Installation kann hier betrachtet werden.




Das Kunstwerk thematisiert mehrere Grundelemente

1. Kommunikation
Inhaltlich kreisen die Worte und Wortkombinationen, die sich aus den Buchstaben ergeben, um das Thema Kommunikation oder thematisieren selbstreflexive Aspekte - wie etwa das Wort 'Berlin' oder 'Ostwest' als Aspekte der Selbstreflexion des Ortes, in dessen unmittelbarer Nähe sich eben einst der Übergang von Ost nach West lokalisieren ließ.

2. Übergang
Dieses Motiv ist daneben auch auf weitere Aspekte zu beziehen: Einerseits als der Übergang (eine Hinführung, Überleitung, Einladung) ins Innere des Museums, also auch vom öffentlichen Raum in einen nicht-öffentlichen oder zumindest nur teil-öffentlichen Raum. Das Museum öffnet sich sozusagen nach außen hin und initiiert damit Kommunikation mit den Passanten.
Andererseits ist auch das sprachformale Konzept, dass der künstlerischen Gestaltung der Installation kennzeichnet, vom Prinzip des Übergangs geprägt, indem einzelne Wörter und Wortteile übergangslos aneinandergereiht stehen (es gibt keine Wortgrenzen). Daher fällt es dem Betrachter zunächst etwas schwer, die Begriffe zu erkennen. Andererseits ergibt sich auch die Möglichkeit, Wörter einzeln zu lesen oder aus Wortteilen und/oder mehreren Einzelwörtern einen längeren, zusammengesetzten Begriff zu bilden. So verschmelzen Begriffsgruppen wie Cyber + Berlin + Netzhaut zu Phantasiegebilden wie einer 'Cyberlinetzhaut' oder Ähnliches.

3. Sprachspiel
Das eben schon skizzierte Sprachspiel erhält noch eine zusätzliche Dimension durch den Ablauf der Installation. Sie baut sich zuerst Wort für Wort auf, dann leuchten einige Blöcke und schließlich nur noch unterschiedliche Begriffe. Dadurch werden die verschiedenen sprachlichen Ebenen (Einzelwörter, Wortgruppen, Kombinationsmöglichkeiten) nochmals verstärkt und darauf hingedeutet. Insbesondere die Mehrdeutigkeit und Dynamik von Sprache und Kommunikation ist hierbei konzeptionell gut gefasst und umgesetzt.

4. Multimedialität
(bewegter Text + Audio werden gemischt)
Zu dem Sprachspiel erklingen aus mehreren Lautsprechern vor dem Museum Klangereignisse, die eine Mischung aus Musik, Stimmen und (Alltags-) Geräuschen ist. Einige Schallereignisse erklingen nur aus einem Lautsprecher, andere aus allen gleichzeitig. Auch die akustische Dimension der Installation initiiert Kommunikation oder setzt zumindest ein akustisches Zeichen, ein Signal für Aufmerksamkeit.
Außerdem wird dadurch der Aspekt der Mehrdimensionalität von Kommunikation deutlich.
Die Intention der Selbstreflexion des Museums (zum Thema Kommunikation) und die gleichzeitige Aufforderung zum Anhalten und Interagieren ('reingehen') oder zumindest zuhören (Aufmerksamkeit erzeugen) drückt sich in den verschiedenen Ebenen des Kunstwerks und durch unterschiedliche Kommunikationskanäle aus.




Zur weiteren Lektüre empfehlen wir das Interview mit Bruno Nagel