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Sergei Tchoban: "Berlin Alexanderplatz"

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Sergei Tchoban: Berlin Alexanderplatz, Beschreibung

Im Zusammenhang mit der Umgestaltung des Alexanderplatzes nach dem sozialistischen Masterplan in den Jahren 1968 - 1973 entstand das Haus der Elektroindustrie nach den Entwürfen der Architekten Heinz Mehlan, Emil Leibold und Peter Skujin als östlicher Abschluss des Platzes. Das Gebäude ist 220 m lang und 38 Meter hoch, gebaut aus Stahlbeton und mit Aluminium verkleidet. Vor der Sanierung in den 90er Jahren unterteilten drei rote Eingangsbereiche das Gebäude. In den 70er Jahren befanden sich im Erdgeschoss eine Einkaufspassage und in den oberen Etagen Büros und Verwaltungseinrichtungen. Von 1991 bis 1997 wurde das Gebäude komplett entkernt und modern saniert. Heute ist das ehemalige Haus der Elektroindustrie der Zweitsitz des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.


Tchobans Berlin AlexanderplatzDas Haus der Elektroindustrie mit der Bearbeitung durch Sergei Tchoban




Das Textfragment aus Döblins 'Berlin Alexanderplatz' als Fassadensprachkunst

2001 stellte der Architekt Sergei Tchoban die neue Fassade des Alfred Döblin ? Hauses fertig. Man sieht nun auf einer 220 Meter langen und 38 Meter hohen Gebäudefassade eine Passage aus Alfred Döblins Großstadtroman 'Berlin Alexanderplatz'.
Mit der Installation dieser Textpassage im öffentlichen Raum wird das Textfragment seiner gewohnten Umgebung im Medium Buch entrissen und es stellt sich die Frage, (...) ob die Textualität als Ausdrucksform einer kommunikativen Handlung unabhängig von derartig unterschiedlichen Formen der Materialisierung und Situierung funktioniert. (Warnke 2003, S. 365.)
Sicherlich ist allein die Tatsache, dass hier ein Textfragment aus dem Zusammenhang gerissen wurde, ein Indiz für eine unterschiedliche Rezeption. Es bleibt fraglich, ob dieses Fragment losgelöst vom restlichen Roman überhaupt einen textinternen Sinnzusammenhang ergibt oder eher als allgemeiner Verweis auf das Lebenswerk Döblins zu sehen ist.
Sobald man die Reaktionen der Passanten auf diese Hausfront mit in die Analyse einbezieht, muss man weit über die linguistische Textanalyse hinausgehen und die Sprache als kommunikativen Prozess ergründen.


Tchobans Berlin Alexanderplatz 2Döblins Text 'Berlin Alexanderplatz' an der Front des Hauses




Literaturverzeichnis

Warnke, Ingo 2003: Von der Kunst, die Menschenrechte zu schreiben. In: Deutsche Sprache 31. Jahrgang, S. 364 ? 378.