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Jenny Holzer: Truismus

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Vorbemerkung zu Jenny Holzers Werk 'Truisms'

Im Rahmen ihres frühen Werkkomplexes 'Truisms' gestaltet Jenny Holzer 1982 zur documenta 7 in Kassel eine komplette Giebelwand in der Kasseler Innenstadt. Das Kunstwerk fällt im Mai 2002 versehentlich einer Fassadensanierung zum Opfer.




Beschreibung und Analyse des Werks

Die amerikanische Künstlerin Jenny Holzer (*1950 in Gallipolis, Ohio) platziert seit den späten siebziger Jahren im öffentlichen Raum eine Serie von Textbotschaften in einer von den Medien und der Werbung dominierten urbanen Kultur. Ihre Serie nennt sie 'Truisms', zu Deutsch etwa 'Binsenwahrheiten'. Zur documenta 7, 1982 in Kassel, gestaltet sie eine komplette Giebelwand (Haus Kranefuß Ecke Opernstraße / Neue Fahrt) im Zentrum der Kasseler Innenstadt. Das Gemälde besteht aus 40 einzeiligen Aussagesätzen, die in Versalien linksbünding in alphabetischer Reihenfolge untereinander auf die Fläche gemalt wurden. Ihre urheberlosen Aussagen, allgemein verbreitete Wahrheiten (oder Lügen?) stehen in keinem inhaltlichen Zusammenhang, als isolierte Meinungen geben sie keinen fortlaufenden Sinn. Beispiele: DIE ÄLTESTEN ÄNGSTE SIND DIE SCHLIMMSTEN, DU HAST IMMER DIE FREIHEIT DER WAHL, STERBEN SOLLTE SO EINFACH SEIN WIE KUCHENBACKEN, WER VERRÜCKT WIRD IST EBEN ZU EMPFINDLICH. Zur sprachwissenschaftlichen Analyse des Kunstwerks geeignet scheinen die Überlegungen Roman Jakobsons in Bezug auf die poetische Funktion der Sprache als dominante, determinierende Funktion der Wortkunst (Jakobson 1972, S. 108) sowie seine Kriterien der Selektion und Kombination als Vorraussetzung zur Klärung der Frage was das empirische linguistische Kriterium der poetischen Funktion ist (Jakobson 1972, S. 109). Auch die Kategorien und Kriterien der linguistischen Textanalyse, hier besonders der kommunikativ-funktionale Aspekt (Brinker 2001, S. 149) oder die Überlegungen zur radikalen Intertextualität von Kristeva (in McAfee 2004, S. 13 ff) führen weiter. Jenny Holzers Kunstwerk, eingepasst in die Zeichenwelt von Werbung, Straßenverkehr, Graffitis und politischen Parolen (Kimpel 1991, S.132) fällt dem Übersehen werden anheim und wird schließlich versehentlich bei einer Fassadensanierung im Mai 2002 einfach übertüncht ... 'Radikal gesehen müsste ein im öffentlichen Raum arbeitender Künstler den Punkt anstreben, in welchem sein Werk als solches gar nicht mehr in Erscheinung tritt,.obwohl es in sich selbst existent ist ...' (Jean Christoph Amman, Leiter des Museums für Moderne Kunst, Frankfurt in: Herlemann / Kade 1996) - diesen Gedanken konsequent verfolgend könnte man sich das Verschwinden von Holzers Kunstwerk in Kassel erklärbar machen.




Literaturverzeichnis

Brinker, Klaus 2001: Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in die Grundbegriffe und Methoden.

Herlemann / Kade 1996: Kunst in der Öffentlichkeit. Ästhetisierung, Historisierung, Medialisierung.

Jakobson, Roman 19972: Linguistik und Poetik. In: Ihwe, Jens: Literaturwissenschaft und Linguistik. Frankfurt a.M. S. 99-135.

Kimpel, Harald 1991: Kunst im öffentlichen Raum: Kassel 1950-1991. Marburg.

McAffe, Noelle 2004: Julia Kristeva. New York.





Autorin: Ute Buchauer 2005




Zur weiteren Lektüre empfehlen wir die Analyse der Arbeit von Jenny Holzer unter Berücksichtigung verschiedener Kommunikations- und Zeichenmodelle