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"Literatur als Performanz/Performance im öffentlichen Raum"

"Poetry Slam"

"Menschenrechte lesen"



Literatur als Performanz/Performance an ungewöhnlichen Orten

In meinem dieser Darstellung zugrunde liegenden Referat habe ich exemplarisch verschiedene Projekte, Veranstaltungen und Events vorgestellt, in denen Literatur in unterschiedlicher medialer Weise inszeniert und an ungewöhnlichen Orten der Öffentlichkeit präsentiert wurde.




Inhaltliche Zusammenfassung

Lesen - ein stiller, individueller Rezeptionsvorgang in gemütlicher Atmosphäre auf dem heimischen Sofa? Dem würden die Veranstalter von Literaturfestivals und Leseevents widersprechen. Sie setzen auf ein Lesevergnügen der anderen Art, in dem sie das Buch in den Mittelpunkt vieler unkonventioneller, erlebnisreicher und möglichst viele Sinne ansprechender Aktionen setzen. Literatur soll als neues, fantasievolles, gemeinschaftliches Abenteuer erlebt werden. So fanden beispielsweise im Rahmen der Hamburger Lesetage sieben Tage lang unzählige Lesungen an den skurrilsten Orten wie Polizeipräsidium, Schwimmbad, Werbeagentur, Kino und Alsterdampfer statt.
Auch bei der QUO-VADIS-Shuttlelesung (eine Nachtveranstaltung in verschiedenen Städten) kann der Teilnehmer sich bei seiner individuell zusammengestellten 'Literatour' von dem Geist ungewöhnlicher Orte (Bundesgerichtshof, Sektionssaal der Pathologie, Zoo, Kläranlage, Gefängnis, Kuhstall, Dampflokschuppen u.a.) inspirieren lassen. Dabei sind die Veranstaltungsorte der Lesungen nicht wahllos, sondern immer im thematischen Zusammenhang der vorgestellten Lektüre ausgewählt. Dem Publikum soll damit ein intensives, sinnliches und ansprechendes Ambiente geboten werden, das die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Vorgelesenen fördert.
Auch in einigen Projekten von Literaturbüros ist zu erkennen, dass sie den Reiz von ungewöhnlichen Orten dazu nutzen, Literarisches in Szene zu setzen. In Nordrhein-Westfalen wurden z.B. bei dem Projekt Haiku-Autos 500 Folien mit japanischen Gedichten an Düsseldorfer Autofahrer verteilt, die diese dann von innen an die Fensterscheiben klebten und sozusagen spazieren fuhren.
Ein weiteres Projekt war die Litfassliteratur des Künstlers Nikolas Stiller, bei dem er viele Litfasssäulen im Düsseldorfer Stadtgebiet mit Gedichten bestückte. Die ungewöhnliche Präsentation in der Öffentlichkeit ist dabei sowohl künstlerlisches Ausdrucksmittel als auch eine neue, andere Form der Literaturvermittlung.




Ansätze und Vorschläge zur Analyse und Bewertung

- Linguistische Analyse mittels des Zeichenmodells von Roman Jakobson:

=> context (six factors of the speech event):
Kommunikation findet immer in einem bestimmten Kontext statt. Dieser Kontext kann die Kommunikation fördern oder behindern. Gerade bei Literatur an ungewöhnlichen Orten wurde versucht, einen Kontext zu finden, der die Kommunikation unterstützt. Daher spielt bei diesem Thema das Umfeld, in die das literarische Ereignis eingebettet ist, eine große Rolle.

=> referential (six factors of language):
Sprache wird verwendet, um auf etwas Außersprachliches zu verweisen. Die vorgestellte Literatur steht in einem engen Zusammenhang zu den jeweils ausgewählten Vortragsstätten und weist jeweils auf diesen hin.

- Einordnung und Bewertung des Themas in Hinblick auf die Veränderung des Literaturbetriebs:
=> Literatur in der Eventkultur,
literarische Kunst als Medium des Erlebniskonsums,
Literaturmarketing, Entertainisierung der Literaturvermittlung




Autorin: Nele Böttcher 2005