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"Sprachkunst" im Deutschunterricht der Grundschule und Sekundarstufe

Im Rahmen des Linguistikseminars 'Sprachkunst im öffentlichen Raum' entstand die Idee, eine didaktische Einheit in zwei Schulstufen (Grundschule und Sekundarstufe) durchzuführen, die das Ziel hatte herauszufinden, welche Vorstellung Schüler und Schülerinnen1 unterschiedlichen Alters von den Termini des Seminars ('Sprache', 'Kunst', 'Öffentlichkeit' und 'Raum') haben.




Einleitung/Didaktische Vorüberlegungen

Als Ausgangspunkt für dieses Projekt steht das Konzept des 'Freien Lernens' der Offenen Schule Waldau. Hier schreiben die Schüler regelmäßig einen freien Text, den sie dann öffentlich, in der Klasse oder auf Elternabenden, vorstellen. Dafür hat jeder Jahrgang ein Rednerpult. Den SchülerInnen wird mit diesem Konzept das frühe Erlernen eines öffentlichen Vortrages ermöglicht. Ihre Texte verfassen sie normalerweise im 'Freien Lernen', das sind im Jahrgang 7 zwei Stunden Freiarbeit. Dabei sind sie ganz frei oder haben ein Thema vorgegeben. (http://www.osw-online.de/)
Um die begrifflichen Zugänge zu vergleichen, wurde ein Projekt an einer Grundschule und einer Mittelstufenschule durchgeführt. Damit die persönlichen, individuellen Ideen der Kinder spontan von ihnen niedergeschrieben werden konnten, wurde für dieses Projekt die Methode der Reizwortgeschichte gewählt. Als Reizwörter dienten den SchülerInnen die Wörter 'Sprache', 'Kunst', 'Öffentlichkeit' und 'Raum', aus denen sie einen Text entwickeln sollten.
Zur Erstellung der Texte hatten die Schüler nur 15 Minuten (Mittelstufe), bzw. 45 Minuten (Grundschule) zur Verfügung. Das Schreiben sollte spontan und unmittelbar, ohne Absprache mit anderen Schülern geschehen. In einigen wenigen Ausnahmen konnte der Text in Partnerarbeit geschrieben werden. Dies lässt sich damit begründen, dass an der Mittelstufe freie Texte häufig in Kleingruppen geschrieben werden. Einzelne Ergebnisse wurden am Schluss von den Schülern vor ihrer Klasse präsentiert. Bevor die Ergebnisse der SchülerInnen vorgestellt werden, welche von sehr unterschiedlicher Art sind, folgt eine kurze Auswertung der Reizwortgeschichten, bei welcher der Schwerpunkt auf dem Vergleich beider Schulstufen liegt:
Während die Grundschüler mit dem Begriff 'Raum' ihre persönliche Umgebung assoziieren und mit den Wörtern 'Klassenraum, Zimmer, Kunstraum, Klassenzimmer, Arbeitsraum' verbinden, haben die Mittelstufenschüler bereits einen breiteren Blickwinkel entwickelt und nennen Ausdrücke wie den 'Raum Italien', den 'öffentlichen Raum' oder 'Fantasieräume'.
Die Klassen haben eine sehr heterogene Schülerzusammensetzung. Viele Kinder und Jugendlichen in beiden Schulstufen sind nicht-deutscher Abstammung und haben dadurch einen differenzierten Zugang zu 'Sprache'. An der Grundschule wird ab der dritten Klasse Englisch unterrichtet, ab der siebten Klasse kommt auf der besuchten Mittelstufe Latein bzw. Französisch hinzu. Diese Spracherfahrung schlägt sich in den Texten nieder. So wurden die Sprachen Englisch und Französisch in die Texte eingebaut, aber auch Türkisch, Dänisch, Griechisch, Polnisch, Italienisch und Chinesisch.
'Kunst' wurde von vielen als 'Hauptbegriff' gewählt, um den sich die Geschichten oder die Sätze ranken sollten. Der Zugang der Grundschüler zu dem Begriff 'Kunst' verband sich mit den Tätigkeiten Malen, Basteln und Werken. In der Mittelstufe wurde dieser Begriff häufig mit Fantasiewelten verbunden. 'Öffentlichkeit' war der einzige Begriff, von dem ein großer Teil der Grundschüler (25%) keine konkreten Vorstellungen hatte, was zur Folge hatte, dass der Begriff nicht in ihrer Geschichte eingebettet wurde. Die anderen 75% der Kinder verbinden mit 'Öffentlichkeit', etwas anderen Personen vorzustellen, wie zum Beispiel am Tag der Offenen Tür der Schule oder die Aufführung eines Theaterstückes.

Der Schwerpunkt der meisten Geschichten liegt in der Grundschule bei den Begriffen 'Kunst' und 'Raum'. Zum Begriff 'Kunst' konnten sich alle Kinder äußern, ebenso, bis auf eine Ausnahme, zum Begriff 'Raum'. Zu 'Sprache' hatten vier Kinder keine Vorstellungen. Der Terminus 'Öffentlichkeit' erschien den Kindern am schwierigsten zu definieren bzw. in ihrer Geschichte zu erläutern. (Siehe oben)
Bei den Mittelstufenschülern dagegen lag der Schwerpunkt auf den Begriffen 'Sprache' und 'Kunst'.
Dieses Projekt ließe sich nun weiterführen, zum Beispiel, indem mit den Schülern gemeinsam eine Veröffentlichungsform der Ergebnisse gesucht wird. Bei unserem Projekt wurde die Form der Präsentation u.a. durch das Medium Internet gewählt. Dies ist auch aus didaktischen Gründen sinnvoll, weil es für die Kinder und Jugendlichen eine besondere Form der Ergebnissicherung darstellt. Als weiterführender Schritt könnten Sprach-Kunstwerke betrachtet und über diese diskutiert werden. Natürlich müsste die weitere Erarbeitung der jeweiligen Schulstufe methodisch-didaktisch angepasst werden.




Autorinnen: Nina Glomb & Susanne Oelßner 2005






Die komplette Arbeit einschließlich der in ihrem Rahmen entstandenen Schülerinnen- und Schülertexte ist nur als PDF-Datei verfügbar. Sie kann hier heruntergeladen werden: